Abusemark NAZE 32

- Einführung
- Hardware
- Software
- Fazit
- Bezugsquelle und weiterführende Links



Einführung

Auch wenn das NAZE 32 rund ein Jahr nach seiner Einführung den meisten Multicopter-Piloten ein Begriff ist, ist es trotzdem nicht sehr weit verbreitet. Das mag zum einen daran liegen, dass es bisher nur direkt vom Hersteller über www.abusemark.com aus Japan zu beziehen war, zum anderen auch daran, dass Timecop, der Mann hinter Abusemark, die Flugsteuerungen selber fertigt.

Mittlerweile hat sich www.pitchpump.de der Sache angenommen und vertreibt das NAZE 32 exklusiv in Europa. Es wird also Zeit, sich die Flugsteuerung etwas genauer anzuschauen.





Hardware

Das Board misst niedliche 36x36mm und ist nur vom Feinsten ausgestattet: Als MCU werkelt ein 32 Bit ARM Cortex mit 72MHz. Das entspricht der Rechenleistung eines Pentium 1, falls sich daran noch jemand erinnern kann.

Auch die Sensoren können sich sehen lassen: Ein MPU6050 (Gyro und Beschleunigungssensor) ist obligatorisch. Zusätzlich befindet sich ein weiterer MMA8452 Beschleunigungssensor, ein HMC5883L Magnetometer sowie ein MS5611 Barometer auf dem Board.

Grund für den zweiten Beschleunigungssensor ist, dass der MPU nur einen gemeinsamen LPF (Lowpass-Filter) für Gyro und ACC kennt. Für GPS-gesteuerte Aufgaben ist jedoch häufig eine präzisere Regelung notwendig, so dass mit dem zweiten Beschleunigungssensor der LPF für Gyro und ACC getrennt eingestellt werden kann.

6 Pinheader erlauben den Anschluss von 6 ESCs/Motoren. Bis zu vier zusätzliche Anschlüsse stehen am Kombi-Stecker für den Empfänger zur Verfügung, sofern ein PPM Summensignalempfänger verwendet wird. Bei Verwendung eines Standard-Empfängers sind diese Anschlüsse mit der beiliegenden Kabelpeitsche belegt. Weiterhin können die freien Pins bei Verwendung eines PPM-Summensignalempfängers auch zum Anschluss einer GPS-Antenne genutzt werden.

Das Board ist in der Lage, neben Standard-Empfängern und PPM Summensignalen auch die Signale eines Spektrum-Satelliten zu verarbeiten. Hierzu ist jedoch eine kleine Modifikation notwendig, da der Kombianschluss keine 3,3V-Spannung für den Satelliten zur Verfügung stellt. Auf dem Board arbeiten jedoch gleich zwei 3,3V Spannungsregler mit je 300mA zur getrennten Versorgung der MCU und der Sensoren. Am einfachsten lässt sich die Spannung für den Satelliten an den Bootloader-Pads auf der Unterseite abgreifen.

Für die Konfiguration und Firmware-Updates befindet sich ein USB-Anschluss auf dem Board. Ein zusätzlicher FTDI-Adapter wird nicht benötigt.





Software

Das Board kommt fertig geflasht mit der jeweils aktuellsten Baseflight. Die Baseflight basiert im Grunde genommen auf einer 32-Bit Version der bekannten MultiWii und ist ebenso Open Source.

Allerdings ist einiges im Gegensatz zu MultiWii komfortabler: So ist es zur Änderung der Konfiguration nicht notwendig, einen Sketch zu editieren, kompilieren und flashen. Sämtliche Parameter lassen sich über eine GUI oder ein beliebiges Terminal-Programm direkt auf dem Board bearbeiten.

Ursprünglich war die Konfiguration nur über ein Terminal-Programm gedacht. Einige Parameter lassen sich zudem über eine aktuelle MultiWii-GUI bearbeiten. Mittlerweile stehen jedoch immer mehr und komfortablere GUI zur Verfügung, so dass die Nutzung eines Terminals quasi überflüssig geworden ist.

Eine allumfassende und bequeme GUI für Windows-Nutzer ist die Baseflight Win GUI von Carsten Giesen. Sie steht unter http://www.klick-punkte.info/download/BaseflightGUI2.zip jeweils in der aktuellsten Version zum Download zur Verfügung. Ein ausführlicher Thread dazu findet sich in der FPV-Community: http://fpv-community.de/showthread.php?22000-Basefllight-Win-GUI.

Ein Vorteil der Baseflight Win GUI ist, dass neben der komfortablen Oberfläche auch ein Terminal-Fenster zur Eingabe von CLI-Befehlen vorhanden ist. Dadurch lassen sich auch abgewandelte Versionen der Baseflight konfigurieren, die möglicherweise noch weitere Parameter aufweisen. Ein zusätzliches Feature der Win GUI ist die Möglichkeit eines Firmware-Updates.






Fazit

Wer gerne mit MultiWii fliegt, wird mit dem NAZE 32 ebenso gerne fliegen, denn es fühlt sich kaum anders an. Spätestens mit der MultiWii GUI dürfte sich jeder MultiWii-Pilot mit dem NAZE 32 vertraut fühlen.

Die Feinheiten sind vor allem in der Ausbaufähigkeit und Zukunftsträchtigkeit zu finden: Ein Atmega 32u4 bietet nur an vier ESC-Anschlüssen die volle HW-PWM-Auflösung von 11 Bit und sein Speicher ist mit einer aktuellen MultiWii schon absolut erschöpft. Der MEGA2560 hat zwar genügend HW-PWM-Ausgänge und eine höhere Speicherkapazität zu bieten, doch der 32 Bit ARM Cortex bietet darüber hinaus Rechenleistung satt für zukünftige GPS-Funktionen. An diesem Punkt kommen die 8-Bit-MCUs einfach an ihre Grenzen.

Auch wenn es mittlerweile die ersten Derivate auf dem Markt gibt, ist das NAZE 32 der Vorreiter für das 32-bittige Erbe von MultiWii. Für gerademal 60 Euro bekommt man eine sauber gefertigte Flugsteuerung mit einem leistungsfähigen 32-Bit-Microcontroller und besten Sensoren. Vor einem Jahr hätte man für diesen Preis bestenfalls eine brauchbare IMU bekommen.



Nachtrag vom 30.03.2013:





Bezugsquelle und weiterführende Links

Das NAZE 32 ist in Deutschland bei www.pitchpump.de erhältlich.

Die englischsprachige Anleitung findet sich unter http://www.abusemark.com/downloads/naze32_rev2.pdf. Eine deutschsprachige Anleitung ist momentan in Arbeit.

Für Tipps und Support ist die FPV-Community eine empfehlenswerte Adresse: http://fpv-community.de/forumdisplay.php?69-NAZE-32.

Die Baseflight Win GUI steht unter http://www.klick-punkte.info/download/BaseflightGUI2.zip zum Download bereit.

Von Tilman Pietzsch am 24. März 2013, 01:15 Uhr veröffentlicht | 21345 mal gelesen
Zuletzt bearbeitet am 31. März 2013, 00:29 Uhr
Themen: Elektrik | Multicopter | Reviews

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Kommentare

Kommentar von Sherley am 15. August 2014, 09:59 Uhr:

Dear Sir,

How are you ?

We can offer the best factory price NAZE 32 flight control board.

If you are interested,pls contact us freely.

Thanks!

Antwort von Tilman am 15. August 2014, 10:50 Uhr:

I don't think that you can offer the best price for a NAZE 32 because what you sell is a stolen idea and not the genuine NAZE 32.

Kommentar von Martin am 25. März 2013, 10:28 Uhr:

Danke für den Artikel.

Wie ist es eigentlich mit seriellen RS232-Schnittstellen beim Naze32? Hat der nur eine?
Wahrscheinlich bräuchte ich wieder einen I2C-GPS Konverter, um ein GPS UND die FrSky-Telemetrie dort anzuschließen - richtig??

Antwort von Carsten Giesen am 25. März 2013, 11:47 Uhr:

Nein, es geht beides. FrSky läuft über die Serial, die auch vom USB genutzt wird!

Antwort von Tilman am 25. März 2013, 11:52 Uhr:

Danke für die Info. Mit FrSky habe ich mich ehrlich gesagt noch nie beschäftigt.

Antwort von Tilman am 25. März 2013, 11:10 Uhr:

Ja, das NAZE 32 hat nur eine serielle Schnittstelle herausgeführt. Für alles weitere steht auf dem Board I²C zur Verfügung.

Kommentar von Carsten Giesen am 25. März 2013, 08:49 Uhr:

Schöner Artikel. Ich möchte aber auch noch erwähnen, dass es einen Ableger zum Baseflight gibt. Harakiri (http://fpv-treff.de/viewtopic.php?f=18&t=1368) die Entwicklung hier schreitet derzeit deutlich schneller vorran, als in den anderen Zweigen.
Eine deutsche Anleitung zu diesem Projekt findet man hier: https://docs.google.com/document/d/1SdKXVoVkYw7Mp-FBL1ctxKqW3_pqexEClJ0X-GNGAkg/edit?pli=1#

Gruß
Carsten

Antwort von Tilman am 25. März 2013, 11:08 Uhr:

Hallo Carsten,

Du hast recht, die Harakiri von Rob sollte wenigstens Erwähnung finden. Sie ist ein gutes Beispiel, was Open Source ausmacht.


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